ACL springt nicht mehr an.

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ACL springt nicht mehr an.

Beitragvon black dragon » Freitag 3. Januar 2020, 14:30

Hallo LT-Freunde.
Mein LT springt von einen auf den nächsten Tag nicht mehr an. Beim Anlassen kommt nur weißer Rauch. Habe seit dem es kälter ist festgestellt, dass er sich schwer getan hat. Musste immer mehrfach vorglühen. Doch nach mehreren Anläufen kam er dann aber auch immer. Gestern habe ich noch mit meiner Familie einen Ausflug von ca. 200 Kilometern gemacht. Dann habe ich das Fahrzeug abgestellt und wollte heute Mittag (waren auf jeden Fall Plusgrade) wieder los zur Waschstraße. Keine Chance. Motor will nicht mehr. Was könnte da passiert sein? Sprit kriegt er ja, sonst würde er ja nicht so weiß rausdampfen. Motor ist ein ACL. Sollte doch auch bei ein paar Grad Plus ohne einer perfekt funktionierenden Vorglühanlage anspringen, oder? Hat schließlich keine 15 Grad Minus. Was meint Ihr. Bin relativ neu in diesem Forum und habe den LT seit ca. 3 Monaten. Kenne mich also noch nicht so gut aus. Bin um jeden Tip dankbar.
Grüße, b.d.
black dragon
 
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Re: ACL springt nicht mehr an.

Beitragvon tiemo » Samstag 4. Januar 2020, 14:59

Hallo Dragon,

wenn das so plötzlich kommt, kann es eigentlich nur an einer ausgefallenen Vorglühanlage oder einem falschen Förderbeginn (Zahnriemen übersprungen) liegen.
Fangen wir mal mit dem weniger unanagenehmen Fall an, dass die Vorglühanlage ausgefallen sein könnte. Das kann ganz schnell, von eben auf jetzt, passieren, wenn irgendwo der Kontakt zur Batterie oder den Glühkerzen unterbrochen wurde.
Kandidaten hierfür sind die Streifensicherungen im Motorraum, das Vorglührelais und das dicke, rote Kabel vom Vorglührelais zur ZE.

Als erste Prüfung wäre zu testen, ob beim Vorglühen (gelbe Lampe an) Spannung an den Glühkerzen ankommt. Das kann man mit einer Prüflampe oder einem Multimeter im Voltbereich testen, indem man von der Stromschiene zwischen den Kerzen zum Motorblock misst: Sowohl an der vorderen als auch an der hinteren Stromschiene sollte die Prüflampe dann aufleuchten bzw. das Multimeter eine Spannung >11V anzeigen.

Wenn Spannung ankommt, wäre der Strom mit einem DC-Zangenamperemeter zu testen. Da erfahrungsgemäß kaum jemand so ein Ding hat, kann man als Notbehelf auch die Innenleuchte einschalten: Beim Vorglühen muss diese merklich dunkler werden, da etwa 70A fließen (sollen).

Wenn auch dieser Test positiv ist, dann muss man doch von einem falschen Förderbeginn ausgehen. Da weißer Nebel (Dieselkraftstoff, unverbrannt) aus dem Auspuff kommt, wird wohl eingespritzt, also muss das ELAB (el. Abstellventil) auch Strom bekommen.

Falls aber beim ersten Test keine Spannung an die Schienen kommt, ist nochmals vor- und auch hinter den Sicherungen direkt an deren Verschraubung die Spannung zu testen: Liegt vor den SIcherungen (hintere Anschlüsse) noch Spannung, dahinter (vordere Anschlüsse) aber nicht mehr, sind die Sicherungen defekt. Das sieht man ihnen häufig nicht gleich an, jedoch zerfallen sie dann bei der Demontage.

Falls auch vor den Sicherungen keine Spannung anliegt, das Vorglührelais abziehen. Es hat zwei besonders große Kontakte für den Glühstrom. Am Sockel muss an einem der Kontakte immer Batteriespannung anliegen, also die Prüflampe bei Messung gegen Masse (zB. Schraube am Armaturenbrett, Schraube Türkontakt) aufleuchten. Ist das der Fall, könnte das Relais selbst defekt sein. Um das zu testen, mit einem entsprechenden Draht die beiden großen Stecköffnungen im Sockel überbrücken und prüfen, ob nun Spannung an den Kerzen ankommt, falls ja, ob der LT nun anspringt. Die Brücke aber nicht allzulange stecken lassen, sonst ist die Batterie leer, das dauert nur ein paar Minuten.

Falls schon am Sockel keine Spannung ankommt, oder die Spannung zwar erst ankommt, beim Überbrücken aber weg ist, ist die Verbindung vom Sockel zur ZE zu prüfen. Dazu erst das Masseband der Batterie abklemmen, dann die ZE herausnehmen und das Kabel und seinen Stecker im Feld "H" auf der Rückseite prüfen: Wenn da was korrodiert oder gar verschmort ist, dann sollte das Kabel mindestens einen neuen Stecker bekommen, besser noch ersetzt werden. Vor dem Zusammenstecken die blank gemachten Metallteile leicht mit Polfett / Vaseline einstreichen, einen gebrauchten Stecker mit Hilfe einer Zange wieder etwas zusammenbiegen, damit er wieder schön stramm sitzt.

Falls sich im Lauf der Messungen ergibt, dass sonst eine Unterbrechung vorhanden ist, muss die entsprechende Leitung repariert werden. Falls ein neues Vorglührelais benötigt wird, darauf achten, dass es 70A Kontaktbelastbarkeit hat. Relais mit 40A sind für die Vierzylindermotoren (Golf, T3) gedacht und halten im LT nicht lange.

Umfassend ist die Vorglühanlage im WIKI unter http://www.lt-forum.de/dokuwiki/doku.ph ... luehanlage beschrieben.

Gruß,
Tiemo
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Re: ACL springt nicht mehr an.

Beitragvon black dragon » Samstag 4. Januar 2020, 17:35

Wow Tiemo,
vielen, vielen Dank für die ausführlichen Erläuterungen. Werde dies Schritt für Schritt überprüfen. Habe an dem besagten Tag den Kraftstoffilter noch entwässert. Hat natürlich auch nicht wirklich etwas gebracht. Die Kiste ist nach ewiger Orgelei dann doch noch angesprungen und ich habe anschleißend wenigstens noch das Salz in der Waschstraße vom Fahrzeug entfernen können. Nachdem ich schon länger Probleme mit dem Anlassen bei kälteren Temperaturen habe und der LT dann doch noch angesprungen ist, schließe ich das mit dem Zahnriemen (den hatte ich auch schon in Betracht gezogen) Gott sei Dank aus. Der Hund ist 100 prozentig in der Vorglühanlage begraben. Diesel wurde auch gefördert. Das habe ich an der Kraftstoffleitung gesehen. (war eine kleine Blase dabei vom entwässern des Filters) Muß mich erst mal langsam mit dem Auto vertraut machen. Habe auch schon einige Sachen abgearbeitet.
Lasse demnächst sowieso den Zahnriemen wechseln. Das traue ich mir selber nicht zu. Da wird dann der Förderbeginn auch eingestellt. Anschließen geht es im Frühjahr zu Wilfried Tuning. Ein bisschen mehr Drehmoment und Leistung kann nicht schaden. Ach ja. Kannst du mir einen guten Hersteller für einen Zahnriemenkit empfehlen? Wahrscheinlich ist der von Bosch die erste Wahl, oder ist der von Dayco auch O.K. ? Vielen Dank nochmal,
Grüße aus Bayern,
b.d. Chris
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Re: ACL springt nicht mehr an.

Beitragvon tiemo » Sonntag 5. Januar 2020, 04:59

Ich nehme gerne Conti,
Problem ist nur, dass Komplettsätze schwer zu bekommen sind. Bosch ist natürlich auch super, Riemen von Gates auch.
Vielleicht ist es dann doch besser, die Teile einzeln zusammenzustellen. Da bevorzuge ich persönlich Umlenkrollen von INA, Wasserpumpen von Conti (Ruville) oder SKF.
Einen ACL habe ich nicht, daher habe ich leider keine Erfahrungen mit den Spannrollen, würde diese aber auch bevorzugt von einem der guten Kugellagerhersteller nehmen.

Gruß,
Tiemo
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Re: ACL springt nicht mehr an.

Beitragvon black dragon » Sonntag 5. Januar 2020, 10:18

Hallo Tiemo. Merci für die Infos. Ist in der Tat nicht einfach an Teile heranzukommen. Und ich dachte ich stelle mich so dumm an. Benötige erst einmal eine gute Werkstatt, die an solchen alten Fahrzeugen überhaupt noch schrauben mag und vor allem kann. Zudem kommt man dann auch noch schlecht ran. Viele begrüßen es dann auch nicht wirklich, wenn man die Teile auch noch mitbringt. Vielleicht ist es in diesem Fall auch anders, da man sie schwer bekommt. Mal schauen. Vielen Dank erst mal für deine Unterstützung, b.d. Chris
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